Nachtrag Datenschutz, Prognose zu GOÄ- und EBM- Reformen, Telematik kommt, Nachlese NuP Tag

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Nachsatz zum letzten Newsletter zum Thema Datenschutz: Auf unsere Anregung hat die KV BaWue doch noch ihre Informationen um das Thema Praxishomepage erweitert. Die offizielle Information finden Sie hier, relativ weit unten der Abschnitt über die Praxishomepage.

Die Prognose zu den geplanten GOÄ- und EBM-Reformen beruht auf einer Nachlese: Die Informationsveranstaltung AOK im Dialog am 10.04.2018 in Stuttgart führten in einer Podiumsdiskussion u.a. die Gesundheitsexperten und Mitglieder des Gesundheitsausschusses der beiden GroKo Parteien zusammen: Karin Maag (CDU) und Prof. Lauterbach (SPD). Die CDU möchte keine Bürgerversicherung, sondern würde gerne die vorbereiteten Entwürfe zu EBM und GOÄ absegnen. Es wurde deutlich, dass die SPD die Weiterentwicklung von ihrer Meinung nach obsoleten Instrumenten verhindern möchte. Sie liest den Koalitionsvertrag so, dass die einheitliche Gebührenordnung entwickelt werden muss.

Von daher ist nach meiner Meinung klar, dass sich an diesen beiden Punkten (GOÄ und EBM) nichts bewegen wird und wir mit den alten Instrumenten die nächsten vier Jahre arbeiten müssen.

Die TI (Telematikinfrastruktur) ist ein Megaprojekt, das, so gewann ich den Eindruck in letzter Zeit und auch auf der o.g. Veranstaltung, vermutlich nicht aufzuhalten ist. Zwar mehren sich die Stimmen, die sagen, dass alles was da mit deutscher Gründlichkeit seit Jahren und Jahrzehnten abgewogen, verbessert, verzögert und nochmal verzögert wird, bereits jetzt veraltet ist. Aber der politische Wille ist da, die Sache durchzudrücken und irgendwo sehe ich es auch als unsere Pflicht ein eigentlich sinnvolles Vorhaben der Verbesserung unserer Infrastruktur jetzt durchzuziehen. Wohl wissend, dass sehr bald TI 2.0 folgen dürfte und dann hoffentlich aktuell sein wird. Mein Selbstversuch in unserer Praxis verlief absolut reibungslos. Die Installation und Umstellung erfolgte ohne zusätzliche Praxisschließung an einem Nachmittag, das System ist stabil und es gibt jetzt halt neue Fehler anstatt alter Fehler beim Einlesen der Karten.
Es gibt wie vorherzusehen keinen spürbaren Mehrwert, aber es gab auch keine Katastrophe.
Auch die Kollegen aus den anderen Bundesländern berichteten in der BVDN Länderdelegiertenversammlung von unproblematischem Wechsel. Es gibt zwar noch nicht die erhoffte Konkurrenz und bisher nur einen echten Anbieter, aber irgendwann müssen wir es stemmen. Also ab jetzt vorsichtige Empfehlung zur Installation.

Nachlese NuP Tag in Köln: Die zentrale Fortbildungsveranstaltung des BVDN war gut besucht und mit hochkarätigen Referenten besetzt. Nach Begrüßung durch die Vorsitzenden des BVDN Dres. Sabine Köhler und Klaus Gehring  und Grußworte der Fachgesellschaften startete Frau Prof. Bingel mit einem fulminanten Vortrag zu Schmerz und Kognition und für mich vor allem spannend zur Plazebowirkung. Diese geht weit über neurologische und psychiatrische Wirkungen wie Schmerz hinaus bis in klar organische Effekte zum Beispiel der Immunität.

Augenöffner waren Berichte über unterschiedliche Nebenwirkungsraten von Plazebo in unterschiedlichen Studien ebenso wie der Fallbericht eines suizidalen Patienten mit Antidepressiva-Überdosis und manifestem kardiogenem Schock in der Notfallaufnahme, der sich erst nach toxikologischer Nachforschung (Studienteilnahme neue Substanz, notfallmäßige Entblindung durch Studienzentrale) auf die Nachricht besserte, dass die Überdosis aus Plazebo bestand.

Als nächster berichtete Prof. Bär über die zentrale Verarbeitung chronischer Schmerzen, vor allem auch über Zusammenhänge von affektiven Störungen und Schmerz und Auswirkungen auf die praktische Schmerztherapie.
Chronischer Schmerz ist funktionell und von der Verarbeitung her anders als akuter Schmerz (Warnung vor Schädigung). Bei chronischen Schmerzen stehen affektive Modi im Vordergrund, was sich sowohl in der Erforschung im fMRT zeigt als auch therapeutisch.
Im Vortrag von Prof. Egle ging es dann über Auswirkungen von Stress in der Kindheit. Faszinierend war zu erfahren wie stark die Effekte von kindlicher Traumatisierung über die Induktion stressinduzierter Hyperalgesie auf die Entwicklung von chronischem Schmerz sind. Solche Patienten sind dann auch anders zu behandeln als nicht traumatisierte. Grundsätzlich wird häufig die Behandlung der Insomnie nicht ausreichend berücksichtig. Dabei gilt diese als Grundpfeiler und Erstlinientherapie und sollte gemäß der Leitlinie nicht medikamentös erfolgen.
Und zum Schluss kam der Vortrag von Prof. Meissner über die medikamentöse Therapie chronischer Schmerzen. Hier wurde ein kleiner Ausflug zur sehr begrenzten Wirkung von Cannabis gemacht und dann auch über die Problematik der Opiatgabe bei chronischem Schmerz.
Während Opiate bei akutem Schmerz sehr gut wirken, sprechen nur 25% der Patienten mit chronischem Schmerz relevant an. Wichtig scheint, sich als Grundlage für die Dosisfindung von Opiaten von der Schweregradbeurteilung  des Schmerzes wegzubewegen und die Verbesserung der Funktion zum Hauptziel der Therapie zu machen.
Nur wenn sich die Funktion in vorher festgelegtem Ausmaß bessert, kann eine Dauerverordnung von Opiaten sinnvoll sein. Im Gegensatz dazu profitieren viele chronische Schmerzpatienten zunächst vom Opiatentzug und dann interdisziplinärer aktivierender Schmerztherapie.